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Update Juni 2010:
Voraussichtlich im Frühjahr 2011 wird Fisch von Anton Valens erscheinen, übersetzt von Gregor Seferens.

Update Februar 2010:
Voraussichtlich im September 2010 liest Vrouwkje Tuinman im Rahmen von Wintertuin Auszüge aus Nachbarin.

[Foto: Rezension in De Standaard, Belgien, 2008]

Die Geräusche der Nachbarn

Das Verhältnis zum Nachbarn ist häufig ein Gezwungenes. Die junge niederländische Autorin Vrouwkje Tuinman widmet dem unfreiwilligen Zusammenleben ihre eindrucksvollen Notizen.
Von Eva Berghmans, De Standaard, Belgien, 12.12.2008

Der ungehobelte Nachbar ist ein Typ, den man eher in einer Schmierenkomödie als in einem zart besaiteten Roman erwartet. Aber dass das möglich ist, beweist Vrouwkje Tuinman mit ihrem Roman Buurvrouw (Nachbarin). Die Ich-Erzählerin lässt die Außenwelt nicht wirklich gern in ihre Wohnung, in ihre Oase der Ordnung und Häuslichkeit in einem vom Abriss bedrohten Häuserblock.

Die junge Frau liebt ihre Ruhe bis zur Einsilbigkeit, doch steckt in ihr zugleich eine Journalistin. Ihre Neugier (oder ist es ihre Einsamkeit?) treibt sie mit Katzenklo oder Papierkorb in strategisch günstigen Momenten hinaus aus ihrer Wohnung, um kurz zu sehen, wem die unbekannte Stimme gehört, oder was jemand beim Altpapier zurückgelassen hat. Was ihr Motiv auch sei, sie observiert ihre Nachbarn mit einer Intensität, die ihr Interesse zeigt. Die junge Frau ist empathisch, höflich, manchmal so sehr, dass sie ein leichtes Opfer für die egozentrischeren Mitbewohner wird. Die spanische Nachbarin zum Beispiel, die sie nachdrücklich bittet, das Ungeziefer in ihrer Wohnung zu entfernen helfen und keine Ruhe gibt, bevor die Spinne nicht im Staubsauger verschwindet, und dieser schliesslich noch eingeschaltet auf dem Balkon landet. Vrouwkje Tuinman hat Talent für Slapstick, ganz eindeutig. Das ist auch ihren erheiternden Berichten zu ihrem Windmühlenkampf abzulesen, den sie beim Vermieter zwecks Reparatur einer kaputten Treppenhauslampe unternimmt.

In diesem anscheinend harmlosen Buch schleicht die Gesellschaftskritik durch die Hintertür herein. Eine der schönsten Geschichten beginnt bei Nummer 7 - die Titel der Geschichten geben jeweils den Ort in der Nachbarschaft an. In dieser Geschichte zieht ein türkischer Junge bei seiner Oma ein. Weil seine Mutter meint, dass er sich nicht benehmen kann. Er ist sieben Jahre alt und schon ein Sozialfall. Das Schöne ist, dass Tuinman nicht nach den Gründen sucht, warum dieser Junge von der Schule geflogen ist. Sie zeigt vielmehr, wie er langsam das Herz dieser jungen Frau erobert, obwohl diese nicht die geringste Neigung hatte, ihn unter ihre Fittiche zu nehmen. Er freundet sich mit ihrer Katze an, kommt häufig zu Besuch und benimmt sich jedesmal gut. Tuinman stellt nicht ausdrücklich die Frage, aber ihr ist nicht zu entkommen: Liegt das nun an ihm, oder an der Lieblosigkeit um ihn herum?

Der Charme dieses Buches, für das Vrouwkje Tuinman für den BNG Neuen Literaturpreis nominiert wurde, liegt vor allem im Blick der Nachbarin, der zwischen Mitleid und Nüchternheit schwankt. Mindestens ebenso wichtig ist der pointierte Stil. Tuinman debütierte 2004 mit Gedichten, und auch in ihrer Prosa ist die Dichterseele gut zu erkennen. Die Genauigkeit, mit der sie komponiert und registriert, deckt eine große Verletzbarkeit auf. Zugleich bewahrt diese Präzision sie vor Sentimentalität. Ein goldenes Gleichgewicht.


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